Usability - Wenn ich den Computer tatsächlich benutzen will!
16. September 2007Die Gestaltung einer Webseite oder Software ist zum einen ein gestalterischer Aspekt, der viele Designer mit neuesten Technik-Spielereien und künstlerischen Glanzleistungen konkurrieren lässt. Nicht so auffällig, für den Benutzer dafür von um so größerer Bedeutung, ist die eigentliche Benutzbarkeit des Systems. Ist es leicht eine Webseite zu benutzen und finde ich mich gut zurecht? Erfasse ich schnell was ich wie machen kann oder fühle ich mich eher verloren und hilflos? Die Thematik der Benutzbarkeit, zu englisch der Usability, kommt meist erst auf, wenn die Mängel auffallen und zum Beispiel ein Videorecorder einfach nicht zu bedienen ist. Oft führt dies dazu, dass sich die Menschen für minder clever und zu dumm zur Technik-Vewendung einschätzen. Usability-Experten denken dabei anders-herum: das System wird gebaut um den Meschen zu unterstützen und ist daher auch an seine Bedürfnisse anzupassen. Deshalb sollte ein System, welches niemand benutzen kann, weil es keiner versteht, unter Usability-Gesichtspunkten überarbeiten werden. Diese sind für Softwaresysteme nach der EN ISO 9241, Teil 10 wie folgt definiert und sollen helfen die Benutzung effizent, effektiv und zufriedenstellend werden zu lassen:
- Aufgabenangemessenheit: Ist die Software angemessen gestaltet in Bezug auf die Aufgaben, die damit zu erledigen sind? Werden zum Beispiel sehr komplexe, professionelle Tasks bearbeitet ist das User-Interface anders zu gestalten, als wenn die Systemaufgabe ist, Bilder einer Fotogalerie darzustellen.
- Selbstbeschreibungsfähigkeit: Ist das User-Interface verständlich und gibt kontinuierlich Auskunft, welche Aktionen gerade ausgeführt werden und welche Systemzustände vorliegen?
- Steuerbarkeit: Ist es möglich die Software effektiv und effizient zu steuern und damit die Zielaufgabe zu erreichen?
- Erwartungskonformität: Reagiert das System auf gleiche Benutzerinteraktionen stets auf dieselbe Weise und werden gleiche Systemaktionen gleich dargestellt ? Dies gewährleistet, dass der Benutzer das System erlernen kann und nicht das Gefühl hat, dass es willkürlich reagiert.
- Fehlertoleranz: Verhindert das System, dass schwerwiegende Fehler gemacht werden können und bietet es die Möglichkeit, Fehler wieder rückgängig zu machen?
- Individualisierbarkeit: Die Bedürfnisse der User sind oft sehr unterschiedlich. Neulinge eines Systems benötigen zum Beispiel viel Unterstützung und Führung, hingegen wünschen sich Experten schnelle Interaktionsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Shortcuts. Das System sollte auf die Bedürfnisse des Benutzers individuell reagieren und sich diesen anpassen.
- Lernförderlichkeit: Ist das System leicht verständlich und erlernbar, und dadurch schnell benutzbar.
Alle, welche die Thematik weitergehend interessiert und Beispiele für gute Usability suchen, sollten am 8. November 2007 nach Stuttgart kommen. Es findet, wie jede Jahr, der “World Usability Day” statt, mit Erlebnisständen, interessanten Berichten und vielen Experten zum nachfragen: http://www.worldusabilityday.de/stuttgart/index.html
Über den Autor: Dies ist ein Gastbeitrag von Usability-Expertin Cornelia Hipp - Vielen Dank!
